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Kein Menschenrecht auf billig

Vielerorts laufen derzeit Veranstaltungen zur sog. „Fairen Woche“. Die Ängste vor inflationsbedingten Kaufkraftverlusten und hohen Energierechnungen bringen wohl auch manchen zum Überlegen, ob er sich fair gehandelte Schokolade, Kaffee und Kleidungsstücke noch leisten will. Es besteht die Gefahr, dass manchem das T-Shirt aus sklavereiähnlicher Produktion jetzt wieder näher ist als die fair gehandelt Jacke… 

Der „Club of Rome“ hat anlässlich des 50. Jahrestages seiner epochalen Studie von 1972 über die „Grenzen des Wachstums“ eine neue Studie vorgelegt ("Earth for All - Suvivalguide für unseren Planeten"). Kern der neuen Analyse ist die Feststellung, dass eine der Voraussetzungen für das Überleben einer zivilisierten Menschheit die Beseitigung der Armut ist. Eine zweite Voraussetzung sehen die Forscher in der „Ermächtigung“ der Frauen. Ohne die Überwindung der eklatanten globalen Ungerechtigkeiten sei auch eine Lösung der global-ökologischen Probleme kaum denkbar: Zum einen würden soziale Unruhen konstruktiv-ökologische Politik erschweren, zum anderen dächten Menschen kaum daran, Wälder und die Artenvielfalt zu schützen, wenn ihnen das Allernötigste zum Leben fehlt.  

„Fair Trade“ ist eine der funktionierenden Methoden, mit denen Armut reduziert werden kann. Nachweislich stärken die Projekte des fairen Handels vor allem auch die Stellung der Frauen in vielen Ländern des Südens. Freilich wird es noch andere Methoden der Armutsbekämpfung brauchen – aber faire Löhne und faire Preise im weltweiten Handel sind unverzichtbar. Eigentlich handelt es sich dabei um eine selbstverständliche Forderung des bürgerlichen Anstands. Es hat sich aber in den letzten Jahrzehnten eingebürgert, so etwas wie ein „Menschenrecht auf billig“ einzufordern. Dieses Menschenrecht gibt es nicht - nicht im Bereich der Energie und auch nicht im Bereich von Lebensmitteln und Kleidung. 

Autor/in:
Bernhard G. Suttner
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