PCB im Schacht - Eine ökologische Zeitbombe

Kommentar von Peter Germann

Nach jüngsten Meldungen beabsichtigt die Ruhrkohle AG (kurz: RAG) die teilweise Flutung von stillgelegten Bergwerksstollen, da das permanente Abpumpen des Grundwassers außerordentlich kostenintensiv ist. Klingt zunächst nach keiner schlechten Idee, wozu sollte man auch ungenutzte Schächte aufwendig von Wasser frei halten?

Allerdings gibt es einen Haken an der Sache. Der Haken hat 3 Buchstaben und sein Vorkommen in Saar-Bergwerken wird auf ca. 1500 Tonnen geschätzt: PCB Sie haben richtig gelesen: PCB, also Polychlorierte Biphenyle. Es geht hier also nicht um belanglose Nebenprodukte des Bergbaus, die man getrost sich selbst überlassen kann, sondern um Unmengen eines Stoffes, der so schädlich ist, dass er zur unrühmlichen Gruppe des "Dreckigen Dutzends" gezählt wird.

Selbst kleinste Mengen dieses Stoffes sind in der Lage sich über die Nahrungskette im Menschen anzureichern und im Körper schwerer Schäden z.B. an der Haut, dem Nervensystem und der Leber zu verursachen. Um der Sache die Krone aufzusetzen, ist der Stoff obendrein auch noch krebserregend. Ein richtiges Monster also. Und was sagt die RAG dazu? Die schreibt ganz unaufgeregt, von dem geplanten Grubenwasseranstieg gehe keinerlei Gefahr aus. Es seien mehrere Sicherheitsbarrieren in das Wasserhaltungskonzept eingebaut. Würde man ja gerne glauben, wenn es da nicht die lange, unheilvolle Geschichte der RAG gäbe... Da wäre z.B. die spannende Phase in den Achtzigerjahren, als die Staatsanwaltschaft Bochum gleich mehrere Razzien in Geschäftsräumen, Lagern und Bergwerken der RAG durchführte. Dabei wurden u.a. 3000 Behälter mit PCB-haltigen Abfällen sichergestellt. Das pikante dabei: Die Fässer sollten illegal in Stollen eingemauert werden, um für immer zu verschwinden. Ein Jahrzehnt später scheint das Unternehmen nicht wirklich viel dazugelernt zu haben. Im Gegenteil gelingt es der RAG seine früheren Gesetzesübertretungen durch eine wissenschaftlich umstrittene Entsorgung von 600.000 Tonnen, also schlappen 600 Millionen Kilogramm, an Giftmüll noch bei weitem in den Schatten zu stellen. Die Liste mit Umweltvergehen ließe sich sicherlich noch weiterführen...

Angesichts dieser unheilvollen Geschichte drängt sich quasi automatisch die Frage auf, wie viel die Beteuerungen eines solchen Konzerns wert sind. Es stellt sich desweiteren die Frage, ob die Öffentlichkeit, also die Betroffenen, bei einem Thema, welches sich als ökologische Zeitbombe entpuppen könnte, auf diese Äußerungen verlassen sollte.

Die ÖDP sagt ganz klar NEIN! Nur eine unabhängige Kommission, die das nötige Maß an Objektivität mitbringt, sollte in diesen Fall die finalen Handlungsempfehlungen geben. Es muss eine unabhängige Untersuchung der geologischen Gegebenheiten stattfinden, unabhängige Abschätzung des Gefahrenpotentials und darüber hinaus eine unabhängige Beurteilung des Entsorgungsaufwands für die noch entfernbaren Schmieröle.

In einem Kommentar zum Spiegel-Artikel über das RAG-Vorhaben wird dazu treffend festgestellt: "In Deutschland werden Recyclinghöfe videoüberwacht und Benutzer bestraft, wenn sie nicht ordnungsgemäß trennen und entsorgen. Wieso dürfen stillgelegte Bergwerke geflutet werden, auf die Gefahr hin, dass funktionierende Ökosysteme zerstört werden, ohne dass die Verantwortlichen zu Rechenschaft gezogen werden?"


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