ödp - Ökologisch - Demokratische Partei

Thesen zur Bildungspolitik



Arbeitskreis Bildungspolitik im Landesverband Rheinland-Pfalz

1. Jeder Mensch hat Fähigkeiten, die durch Elternhaus und Schule gefördert werden müssen. Familie und Schule ergänzen sich dabei. Die Schule kann nicht das Elternhaus ersetzen. Die schulische Förderung muss in jedem Schulsystem - ob dreigliedriges System oder Gesamtschule - möglich sein.

2. Alle Kinder haben die gleiche Chance, etwas zu lernen. Aus dem Grundsatz der Chancengleichheit leitet sich nicht ab, dass alle Abitur machen müssen. Es leitet sich aus diesem Grundsatz aber die Verpflichtung ab, Kindern aus bildungsfernen Randgruppen mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und sie in besonderer Weise zu fördern (z.B. Deutschunterricht für Migranten, zusätzliche Betreuung für Kinder aus sozialen Randgruppen, etc.).

3. Lernen ist geil. Wann und wie geht die Motivation der Kinder verloren? Gerade weil die Schule ein Ort des Lernens ist, muss sie ihren Schülern und Schülerinnen helfen, mit lernfeindlichem Stress und familiären Belastungen besser umzugehen. Kleinere Klassen, Unterstützung der Lehrkräfte durch Sozialpädagogen und Schulpsychologen helfen, ein positives Lernklima zu erhalten, Konflikte schnell zu erkennen und zu bewältigen, und Lehrer in ihrer Verantwortung als "Alleinunterhalter" zu entlasten.

4. Jedes Kind soll seinen Platz in der Gesellschaft finden können. Dazu gehört, dass Kinder nach dem Ende ihrer Schulzeit in der Lage sein sollen, eine Ausbildung zu beginnen oder direkt Arbeit aufzunehmen. Lernschwache Schüler, Jugendliche mit Pubertätsproblemen und Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen oder Migrantenfamilien brauchen besondere Aufmerksamkeit und Förderung. Wir wollen nicht hinnehmen, dass Kinder mit 10 oder 12 Jahren bereits auf eine Versagerlaufbahn geschickt werden, wenn sie "nur" für die Hauptschule geeignet sind.

5. Die ödp bekennt sich zum dreigliedrigen Schulsystem. Eltern und Kinder entscheiden sich aber erst nach der 2jährigen Orientierungsstufe (5. und 6. Klasse) für eine bestimmte Schulart.

6. Schulen müssen ihr eigenes Profil entwickeln. Uns ist die Hauptschule wichtig. Dem Ausbluten der Hauptschule kann nicht durch ihre Abschaffung begegnet werden sondern durch neue Perspektiven, z.B. als handwerklich/ technisch orientierte Schule mit kleinen Lerngruppen, gut ausgebildeten Lehrern, guter Ausstattung und einem starken Bezug zur späteren beruflichen Praxis. Zukünftige Lehrlinge sollten ihren Ausbildern bereits während der Schulzeit in Praktika begegnen und deren Erwartungen und Anforderungen kennen lernen.

7. Eine Gesellschaft, die lebenslanges Lernen von ihren Bürgern fordert, muss ihnen auch die Möglichkeit geben, lebenslang zu lernen, d.h. es muss möglich sein, Versäumnisse aus früheren Jahren später aufzuholen und auf vorhandenem Wissen/ Abschlüssen aufzubauen. Damit ist jeder erworbene Abschluss wichtig.

15.02.2005